Laut einer Studie der Denkfabriken Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft besteht bis 2030 ein öffentlicher Finanzbedarf von 390 Milliarden Euro für Schiene, Fernstraßen, Nahverkehr und die Transformation der Automobilwirtschaft in Deutschland. Der Bundeshaushalt 2026 sieht für den Verkehrsetat lediglich 33,7 Milliarden Euro Gesamtmittel vor. Zwischen dem ermittelten Bedarf und den geplanten Ausgaben klafft damit eine enorme Lücke. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Debatten über neue Finanzierungsmodelle wie eine Pkw-Maut oder höhere Steuern dürften in den kommenden Jahren an Fahrt gewinnen. Wer die öffentliche Diskussion um Haushalt und Infrastruktur verfolgt, sollte diese Zahlen kennen.
Infrastrukturkrise: Fast 400 Milliarden Euro Finanzbedarf für Verkehr bis 2030
Deutschland steht vor einem enormen Investitionsberg: Laut einer Studie der Denkfabriken Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft beläuft sich der öffentliche Finanzbedarf für Schienenwege, Fernstraßen, den öffentlichen Personennahverkehr sowie die Transformation der Automobilwirtschaft auf 390 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030. Die Zahlen wurden im November 2025 veröffentlicht und zeigen das Ausmaß des Investitionsstaus, den auch der Einsturz der Carolabrücke in Dresden im Jahr 2024 sichtbar gemacht hatte.
Wo soll das Geld hinfließen?
Die Studie schlüsselt den Bedarf nach Bereichen auf:
- Öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV): mehr als 181 Milliarden Euro
- Schienenwege: 146 Milliarden Euro
- Fernstraßen: 38,2 Milliarden Euro
- Transformation der Automobilwirtschaft: weiterer Anteil am Gesamtvolumen
Etwas mehr als die Hälfte des Gesamtbedarfs entfällt laut Studie auf bundeseigene Verkehrsinfrastrukturen sowie die Förderung der Automobilwirtschaft und liege damit in der Finanzierungsverantwortung des Bundes.
Auch der Ökonom Lars Feld von der Universität Freiburg bezifferte in einer separaten, 2024 vorgestellten Analyse den Bedarf allein für Autobahnen, Eisenbahn und Energieinfrastruktur auf rund 400 Milliarden Euro. Der tatsächliche Gesamtbedarf dürfte laut dieser Analyse noch höher sein, da Infrastrukturinvestitionen in Deutschland nicht systematisch erfasst werden.
Was plant der Bund tatsächlich?
Der Bundeshaushalt 2026 sieht für den Verkehrsetat (Einzelplan 12) Ausgaben von 28,22 Milliarden Euro vor. Das sind rund 10 Milliarden Euro weniger als im Jahr 2025. Zusätzlich stehen 21,25 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen “Infrastruktur und Klimaneutralität” (SVIK) bereit, sodass die Gesamtmittel für Verkehrsinvestitionen 33,7 Milliarden Euro betragen. Bis 2029 sollen aus dem SVIK insgesamt 166 Milliarden Euro für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt werden.
Einnahmen von 14,47 Milliarden Euro sind eingeplant, davon 13,48 Milliarden Euro aus der Lkw-Maut. Die Studie von Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft bringt darüber hinaus auch eine Pkw-Maut als mögliches Finanzierungsinstrument ins Gespräch, was politisch als kontrovers gilt.
Die Lücke zwischen dem ermittelten Bedarf von 390 Milliarden Euro und den geplanten Mitteln ist erheblich. Wie sie geschlossen werden soll, ist derzeit offen.
Was bedeutet das für Verbraucher?
1. Höhere Kosten für Autofahrer möglich
Die Studie thematisiert eine Pkw-Maut als eine der möglichen Finanzierungsquellen. Ob und in welcher Form eine solche Abgabe eingeführt wird, ist politisch nicht entschieden. Wer seine laufenden Kfz-Kosten im Blick behalten möchte, kann diese mit dem Auto-Unterhaltskosten-Rechner durchrechnen. Auch die Kfz-Steuer gehört zu den laufenden Fahrzeugkosten, die bei der Budgetplanung eine Rolle spielen.
2. Pendler sollten Fahrtkosten genau kalkulieren
Schlechtere oder teurere Verkehrsinfrastruktur trifft besonders Menschen, die täglich zur Arbeit pendeln. Wer Fahrtkosten steuerlich geltend machen möchte oder schlicht wissen will, was der tägliche Weg zur Arbeit kostet, findet im Pendler-Rechner eine nützliche Orientierung. Wer auf ein Elektroauto setzt, kann zudem die Ladekosten für das E-Auto kalkulieren.
3. Spritkosten im Blick behalten
Solange die Straßeninfrastruktur lückenhaft ist und Umwege oder Staus den Kraftstoffverbrauch erhöhen, bleiben die Spritkosten ein relevanter Haushaltsposten. Der Spritkosten-Rechner hilft dabei, diese Ausgaben realistisch einzuschätzen.
4. Wer auf ein E-Auto umsteigen will, kann Gesamtkosten vergleichen
Der Investitionsbedarf bei der Verkehrsinfrastruktur betrifft auch den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Wer erwägt, auf ein Elektrofahrzeug zu wechseln, kann mit dem E-Auto-Rechner die Wirtschaftlichkeit vergleichen und mit dem Wallbox-Kosten-Rechner die Kosten einer eigenen Ladestation einschätzen.
Quellen
- Studie ermittelt riesigen Finanzbedarf für Infrastruktur (Tagesschau, 24.11.2025)
- Bundeshaushalt 2026: Verkehr bleibt größter Investitionshaushalt (DVWG)
- Deutschland braucht 400 Milliarden Euro für Infrastruktur (t-online, 24.10.2024)
Häufige Fragen
Wie hoch ist der ermittelte Finanzbedarf für die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland bis 2030?
Laut einer Studie der Denkfabriken Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft beläuft sich der öffentliche Finanzbedarf für Schienenwege, Fernstraßen, den öffentlichen Personennahverkehr sowie die Transformation der Automobilwirtschaft bis 2030 auf insgesamt 390 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte davon liegt in der Finanzierungsverantwortung des Bundes.
Wie verteilt sich der Finanzbedarf auf die einzelnen Verkehrsbereiche?
Die Studie schlüsselt den Bedarf wie folgt auf: Für die Schiene werden 146 Milliarden Euro veranschlagt, für Fernstraßen 38,2 Milliarden Euro und für den öffentlichen Nahverkehr mehr als 181 Milliarden Euro. Hinzu kommen Mittel für die Transformation der Automobilwirtschaft.
Wie viel Geld stellt der Bund im Haushalt 2026 tatsächlich für Verkehrsinvestitionen bereit?
Im Bundeshaushalt 2026 sind für den Verkehrsetat Ausgaben von 28,22 Milliarden Euro vorgesehen, das sind rund 10 Milliarden Euro weniger als 2025. Zusammen mit 21,25 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen “Infrastruktur und Klimaneutralität” ergibt sich eine Gesamtsumme von 33,7 Milliarden Euro für Verkehrsinvestitionen. Bis 2029 sollen aus diesem Sondervermögen insgesamt 166 Milliarden Euro für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur bereitgestellt werden.
Wie soll die Finanzierungslücke geschlossen werden, wenn der Haushalt nicht ausreicht?
Die Studienautoren von Agora Verkehrswende und Dezernat Zukunft machen dazu kontroverse Vorschläge. Unter anderem wird eine Pkw-Maut ins Gespräch gebracht. Auch eine Studie des Ökonomen Lars Feld empfiehlt die Einbindung privater Investoren, um den enormen Bedarf zu decken. Außerhalb des Kernhaushalts spielen bereits heute Instrumente wie das Sondervermögen und der Klima- und Transformationsfonds eine wachsende Rolle.
Warum ist der Investitionsbedarf so dringend?
Ereignisse wie der Einsturz der Carolabrücke in Dresden haben den Sanierungsrückstand bei der deutschen Infrastruktur deutlich sichtbar gemacht. Ökonom Lars Feld fasst es so zusammen: “Deutschlands Infrastruktur lebt fast nur noch von ihrer Substanz.” Marode Brücken, sanierungsbedürftige Straßen und Funklöcher zeigen, dass jahrzehntelang zu wenig investiert wurde. Hinzu kommt, dass Infrastrukturinvestitionen in Deutschland bislang nicht einmal systematisch erfasst werden, weshalb der tatsächliche Gesamtbedarf nach Einschätzung von Experten noch höher liegen dürfte.