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Mahle-Streik: IG Metall kämpft um 400 Arbeitsplätze

Bei Mahle streiken Beschäftigte unter Führung der IG Metall für den Erhalt von 400 Arbeitsplätzen. Was hinter dem Arbeitskampf im Autozulieferer steckt.

RE
Redaktion
18. Juni 2026
Mahle-Streik: IG Metall kämpft um 400 Arbeitsplätze

Nach gescheiterten Verhandlungen traten rund 400 Beschäftigte des Autozulieferers Mahle in Neustadt an der Donau am 28. Mai 2026 in einen unbefristeten Streik. Mit 98,4 Prozent Zustimmung votierte die Belegschaft für den Arbeitskampf gegen die geplante Werksschließung Anfang 2027. Das Mahle-Werk produziert profitabel Klimaanlagen für BMW, Porsche und Volvo, soll aber dennoch geschlossen werden, weil das Unternehmen Europa künftig aus China beliefern will. Der Fall zeigt exemplarisch, wie deutsche Autozulieferer unter Druck geraten. Nach acht Streiktagen erkämpfte die IG Metall einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungen von bis zu 250.000 Euro, die Schließung selbst konnte jedoch nicht verhindert werden.

Mahle-Streik: IG Metall erkämpft Sozialtarifvertrag für 400 Beschäftigte in Neustadt an der Donau

Am 28. Mai 2026 traten die rund 400 Beschäftigten des Autozulieferers Mahle am Standort Neustadt an der Donau in einen unbefristeten Streik. Laut IG Metall kam die Produktion dort vollständig zum Erliegen. Nach acht Streiktagen einigten sich die Parteien auf einen Sozialtarifvertrag, der Abfindungen von bis zu 250.000 Euro vorsieht. Die angekündigte Werksschließung Anfang 2027 konnte die Gewerkschaft jedoch nicht abwenden.

Hintergrund: Warum wird das Werk geschlossen?

Mahle hatte angekündigt, die Produktion von Klimaanlagen für Fahrzeuge aller Antriebsarten aus Neustadt an der Donau in die Slowakei zu verlagern. Laut IG Metall Bayern ist das Werk in Neustadt profitabel und beliefert Hersteller wie BMW, Porsche und Volvo. Die Gewerkschaft hatte detaillierte Alternativkonzepte vorgelegt, um den Standort zu erhalten. Mahle lehnte diese jedoch ab. Zukünftig soll Europa aus China beliefert werden, so die IG Metall.

Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg, erklärte: „Wir akzeptieren den Schließungsbeschluss nicht. Die Beschäftigten werden für ihre Zukunft und ihre Arbeitsplätze kämpfen.” Bezirksleiter Ott ergänzte: „Mahle hat die Sozialpartnerschaft aufgekündigt. Deshalb schaltet die IG Metall jetzt in den Kampfmodus.”

Urabstimmung mit 98,4 Prozent Zustimmung

Bevor der Streik begann, führte die IG Metall eine Urabstimmung durch. Das Ergebnis: 98,4 Prozent der IG-Metall-Mitglieder unter den Beschäftigten stimmten für den unbefristeten Streik. Mahle wollte das Ergebnis auf Nachfrage nicht kommentieren.

Was der Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten bedeutet

Nach acht Streiktagen einigten sich IG Metall und Mahle auf einen Sozialtarifvertrag. Die Schließung des Werks Anfang 2027 ist nach deutschem Recht Teil der unternehmerischen Freiheit des Arbeitgebers und konnte nicht verhindert werden. Die Gewerkschaft konnte jedoch folgende Regelungen durchsetzen:

  • Abfindungen bis zu 250.000 Euro: Die Abfindungsregelungen wurden im Vergleich zu den ursprünglichen Unternehmensplänen deutlich verbessert. Es gelten altersabhängige Faktoren, Mindestbeträge und eine Deckelung bei 250.000 Euro.
  • Zusatzzahlungen für Unterhaltspflichtige: Beschäftigte mit unterhaltspflichtigen Personen erhalten zusätzliche Leistungen.
  • Bonus für IG-Metall-Mitglieder: Gewerkschaftsmitglieder erhalten einen gesonderten Bonus.

Praktische Hinweise für betroffene Beschäftigte

1. Abfindung berechnen und versteuern lassen

Eine Abfindung bis zu 250.000 Euro klingt nach einer erheblichen Summe. Doch ein großer Teil davon fließt als Steuer an den Staat. In Deutschland ist eine Abfindung grundsätzlich steuerpflichtig. Die sogenannte Fünftelregelung kann die Steuerlast in bestimmten Fällen reduzieren. Wie viel netto von der Abfindung übrig bleibt, lässt sich vorab mit dem Abfindung-Brutto-Netto-Rechner ermitteln. Wer den Gesamtbetrag der möglichen Abfindung zunächst einschätzen möchte, kann den Abfindungsrechner nutzen. Für die steuerliche Berechnung gibt es zusätzlich den Abfindung-versteuern-Rechner.

2. Sozialplanpunkte prüfen

Viele Sozialtarifverträge und Sozialpläne basieren auf einem Punktesystem, das Alter, Betriebszugehörigkeit und Unterhaltspflichten berücksichtigt. Den eigenen Punktestand lässt sich mit dem Sozialplan-Punkte-Rechner einschätzen.

3. Kurzarbeitergeld im Blick behalten

Falls es vor der endgültigen Schließung noch zu Produktionseinschränkungen kommt, könnte Kurzarbeitergeld relevant werden. Wie hoch dieses ausfällt, zeigt der Kurzarbeitergeld-Rechner.

4. Neue Beschäftigung und Gehalt einschätzen

Wer nach dem Werksverlust eine neue Stelle sucht, sollte das künftige Nettoeinkommen realistisch einschätzen. Der Gehaltsrechner hilft dabei, Brutto-Netto-Unterschiede bei neuen Angeboten schnell zu vergleichen.

Quellen

Häufige Fragen

Warum streikten die Beschäftigten bei Mahle in Neustadt an der Donau?

Das Unternehmen Mahle kündigte an, seinen Standort in Neustadt an der Donau (Bayern) Anfang 2027 zu schließen, obwohl das Werk profitabel ist. Die rund 400 Beschäftigten und die IG Metall akzeptierten diese Entscheidung nicht und forderten zunächst einen Zukunftstarifvertrag, der den Standort sichert, oder ersatzweise einen Sozialtarifvertrag mit fairen Abfindungsregelungen.

Wie eindeutig stimmten die Beschäftigten für den Streik?

Die Abstimmung fiel sehr deutlich aus: 98,4 Prozent der IG-Metall-Mitglieder unter den rund 400 Beschäftigten sprachen sich in der Urabstimmung für einen unbefristeten Streik aus. Die Produktion am Standort kam laut IG Metall vollständig zum Erliegen.

Warum schließt Mahle ein profitables Werk?

Mahle plant, die Produktion von Klimaanlagen für Fahrzeuge aller Antriebsarten nicht in Neustadt zu behalten, sondern künftig aus China und der Slowakei heraus nach Europa zu liefern. Die IG Metall hatte detaillierte Konzepte vorgelegt, um den Standort zu erhalten, doch das Unternehmen hielt an seiner Schließungsentscheidung fest.

Konnten die Beschäftigten die Werksschließung durch den Streik verhindern?

Nein. Nach acht Tagen Streik stand fest, dass die Schließung nicht abgewendet werden kann. Entscheidungen über Standortschließungen fallen unter die sogenannte unternehmerische Freiheit des Arbeitgebers und sind nach deutschem Recht nicht erzwingbar. Die Beschäftigten erkämpften jedoch einen Sozialtarifvertrag mit deutlich verbesserten Konditionen.

Welche finanziellen Absicherungen enthält der erkämpfte Sozialtarifvertrag?

Der Sozialtarifvertrag sieht altersabhängige Abfindungsregelungen mit Mindestbeträgen und einer Obergrenze von bis zu 250.000 Euro vor. Zusätzlich erhalten Beschäftigte mit unterhaltspflichtigen Angehörigen weitere Zahlungen. Außerdem wurde ein Bonus speziell für IG-Metall-Mitglieder vereinbart.

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