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Onlinebroker: Gebührenmodelle im deutschen Börsenhandel unter Druck

Gebühren bei Onlinebrokern geraten im deutschen Börsenhandel zunehmend unter Druck. Was Anleger jetzt über veränderte Kostenmodelle und Ordergebühren wissen sollten.

RE
Redaktion
4. Juli 2026
Onlinebroker: Gebührenmodelle im deutschen Börsenhandel unter Druck

Die EU verbietet ab 2026 das sogenannte “Payment for Order Flow” (PfOF): Neobroker wie Scalable Capital, Trade Republic, Justtrade und finanzen.net zero müssen ihr Geschäftsmodell grundlegend ändern, da Rückvergütungen von Market Makern künftig wegfallen. Wer heute über Neobroker Aktien, ETF oder Sparpläne für oft nur einen Euro oder sogar kostenlos kauft, muss ab 2026 mit höheren Ordergebühren rechnen. Das PfOF-Modell finanzierte bislang die günstigen Konditionen im Hintergrund. Ohne diese Einnahmequelle werden viele Anbieter ihre Preise anheben müssen. Für Privatanleger bedeutet das: Vergleiche lohnen sich jetzt mehr denn je.

Gebührenmodell bei Onlinebrokern unter Druck: Was das EU-Verbot für Anleger bedeutet

Das Geschäftsmodell der sogenannten Neobroker steht vor einem einschneidenden Wandel. Die Europäische Union hat gemeinsam mit dem Europäischen Parlament beschlossen, das „Payment for Order Flow” (PfOF) zu verbieten. Ab 2026 dürfen Broker in Deutschland keine Rückvergütungen von Handelsplätzen mehr annehmen. Für Anleger, die bisher von Minigebühren oder kostenlosem Handel profitiert haben, könnte das spürbar teurer werden.

Was ist Payment for Order Flow?

PfOF bezeichnet eine Vergütungspraxis, bei der Broker die Aufträge ihrer Kunden nicht direkt an eine Börse, sondern an sogenannte Market Maker weiterleiten. Diese stellen auf ihren eigenen außerbörslichen Handelsplattformen Kurse für Wertpapiere. Im Gegenzug erhalten die Broker Rabatte oder direkte Zahlungen. Anbieter wie Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker, finanzen.net zero und Justtrade haben dieses Modell genutzt, um Ordergebühren auf null oder einen Euro pro Trade zu senken.

Die BaFin hat das Modell in einer eigenen Studie untersucht und kam zu einem gemischten Ergebnis: Sie verglichen, ob Anleger an PfOF-Handelsplätzen oder bei direkten Börsenaufträgen bessere Ausführungspreise erhalten. Ein eindeutiges Urteil ließ sich daraus laut BaFin nicht ableiten.

Was das Verbot ab 2026 konkret bedeutet

1. Gebühren könnten steigen Fällt die Rückvergütung durch Market Maker weg, verlieren Neobroker ihre wichtigste Einnahmequelle abseits von Kundengebühren. Experten und Branchenbeobachter erwarten, dass die Anbieter ihre Preismodelle anpassen und höhere Ordergebühren einführen werden. Wer heute von kostenlosem Handel profitiert, sollte sich auf Änderungen einstellen.

2. ETF-Sparpläne und Aktienhandel betroffen Besonders junge Anleger, die regelmäßig in ETF-Sparpläne investieren, nutzen Neobroker intensiv. Steigende Transaktionskosten würden die Rendite von Sparplänen schmälern, insbesondere bei kleineren Beträgen. Wer die langfristige Wirkung von Kosten auf sein Sparvorhaben einschätzen möchte, kann dies mit einem ETF-Sparplan-Rechner oder einem Zinseszins-Rechner durchrechnen.

3. Brokervergleich wird wichtiger Mit dem Wegfall des PfOF werden sich die Preisunterschiede zwischen den Anbietern verschieben. Anleger sollten die Konditionen ihres Brokers aktiv beobachten und rechtzeitig vergleichen. Auch die Rendite der eigenen Geldanlage lässt sich mit einem Rendite-Rechner besser einschätzen, wenn Kosten transparent einbezogen werden.

4. Ausführungsqualität rückt in den Fokus Bisher stand der Preis im Vordergrund. Künftig gewinnt die Frage an Bedeutung, zu welchem Kurs eine Order tatsächlich ausgeführt wird. Auch die BaFin-Studie weist darauf hin, dass Ausführungspreise an verschiedenen Handelsplätzen variieren können. Anleger sollten daher nicht nur auf Ordergebühren, sondern auch auf Spreads und Ausführungsbedingungen achten. Wer Dividendenausschüttungen plant, kann ergänzend den Dividenden-Rechner nutzen.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist Payment for Order Flow (PfOF) und warum ist es für Neobroker so wichtig?

Payment for Order Flow (PfOF) ist eine Rückvergütung, die im Hintergrund einer Börsenorder abläuft. Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Justtrade leiten Kundenaufträge an sogenannte Market Maker weiter, die auf eigenen außerbörslichen Handelsplattformen Kurse stellen. Im Gegenzug erhalten die Broker Zahlungen oder Rabatte von diesen Handelshäusern. Genau dieses Modell ermöglicht es Neobrokern, Kundenorders kostenlos oder für lediglich einen Euro pro Order anzubieten.

Warum verbietet die EU das PfOF-Modell?

Die EU hat gemeinsam mit dem Europäischen Parlament entschieden, PfOF zu verbieten, weil Interessenkonflikte befürchtet werden: Broker könnten Aufträge nicht im besten Interesse ihrer Kunden weiterleiten, sondern dorthin, wo sie die höchsten Rückvergütungen erhalten. Das Verbot soll in Deutschland ab 2026 in Kraft treten und den Wertpapierhandel für Privatanleger transparenter und fairer gestalten.

Was bedeutet das PfOF-Verbot konkret für die Kosten beim Börsenhandel?

Mit dem Wegfall von PfOF ab 2026 müssen Neobroker ihr Geschäftsmodell anpassen. Da die Rückvergütungen bisher einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen ausmachen, ist damit zu rechnen, dass kostenlose oder sehr günstige Orders der Vergangenheit angehören könnten. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass Ordergebühren bei Plattformen wie Trade Republic, Scalable Capital, Smartbroker, finanzen.net zero oder Justtrade künftig steigen könnten.

Wie bewertet die BaFin das PfOF-Modell?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat das PfOF-Modell in einer eigenen Studie untersucht und kommt dabei zu keinem eindeutigen Ergebnis. Sie analysierte, ob Anleger mit Aufträgen an PfOF-Handelsplätzen oder mit direkten Geschäften an Referenzbörsen besser abschneiden. Die Studie bescheinigt dem Modell sowohl Vor- als auch Nachteile, ohne eine klare Empfehlung auszusprechen.

Wer ist besonders von den möglichen Gebührenerhöhungen bei Neobrokern betroffen?

Vor allem jüngere Anleger, die in den vergangenen Jahren über Neobroker in Aktien, ETF und Sparpläne eingestiegen sind, könnten künftig höhere Kosten tragen. Diese Gruppe nutzt die günstigen Konditionen der Neobroker besonders intensiv. Da Orders ab 500 Euro bei einigen Anbietern bislang vollständig kostenlos waren, kann das Ende des PfOF-Modells die laufenden Investitionskosten spürbar erhöhen.

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