Das Projekt “Sila Atlantik” plant, bis zu 26 Terawattstunden grünen Strom pro Jahr aus Marokko nach Deutschland zu liefern – transportiert durch ein rund 4.800 Kilometer langes Seekabel, das längste der Welt, mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). 26 Terawattstunden entsprechen rund fünf Prozent des deutschen Jahresstromverbrauchs. Sollte das Vorhaben wie geplant Mitte der 2030er-Jahre in Betrieb gehen, könnten Verbraucherinnen und Verbraucher von einem rund um die Uhr verfügbaren, fossilfreien Importstrom profitieren, der laut Projektangaben unter zehn Cent je Kilowattstunde kosten soll. Das wäre ein bedeutender Baustein zur Versorgungssicherheit und könnte dazu beitragen, die Abhängigkeit von schwankenden Erzeugungsquellen im Inland zu verringern.
Sahara-Solarkabel: Wie Nordafrika Deutschland mit Strom versorgen könnte
Ein fast 5.000 Kilometer langes Seekabel soll Strom aus der marokkanischen Sahara direkt ins deutsche Stromnetz leiten. Das Projekt “Sila Atlantik” ist kein bloßes Gedankenexperiment: Laut einem Bericht der FAZ vom August 2026 interessieren sich mit Eon und Uniper bereits zwei deutsche Energiekonzerne für das Vorhaben, und Regierungsvertreter beider Länder sind eingebunden.
Was hinter dem Projekt steckt
Der Projektbetreiber Xlinks plant, im Süden Marokkos rund 15 Gigawatt (GW) Leistung aus Wind- und Solaranlagen zu installieren. Der erzeugte Strom wird über Konverterstationen in Gleichspannung umgewandelt und dann per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) durch zwei parallele Unterseekabel transportiert. Die Kabeltrasse verläuft entlang der Atlantikküste, vorbei an Portugal, Spanien und Frankreich, bis ins deutsche Wattenmeer. Mit einer Länge von rund 4.800 Kilometern wäre es das längste Seekabel der Welt.
Das angestrebte Liefervolumen: bis zu 26 Terawattstunden (TWh) grüner Strom pro Jahr. Das entspräche laut Berechnungen rund fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Als Zielpreis werden weniger als zehn Cent je Kilowattstunde genannt, Transport inklusive, und das rund um die Uhr.
Derzeit liegt der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix Marokkos bei rund 3,5 Prozent. Das Land steht also selbst vor einem massiven Ausbau, der Voraussetzung für das Exportvorhaben ist.
Globaler Kontext: Solarenergie wächst rasant
Sila Atlantik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Solarenergie weltweit an Dynamik gewinnt. Laut Ember Yearly Electricity Data 2026 erreichte die weltweite Solarerzeugung im Jahr 2025 einen Wert von 2.778 TWh. Zum Vergleich: 2015 waren es lediglich 256 TWh. Das entspricht einer Verzehnfachung innerhalb von zehn Jahren, mit einer Verdopplung etwa alle drei Jahre. 2025 hat Solarenergie damit erstmals die Windkraft bei der globalen Stromerzeugung überholt.
Was das für Verbraucher bedeutet
1. Mögliche Entlastung beim Strompreis Wenn ab Mitte der 2030er-Jahre Strom aus Marokko zu unter zehn Cent je Kilowattstunde ins deutsche Netz eingespeist wird, könnte das den Großhandelspreis für Strom dämpfen. Ob und wie stark das auf den Haushaltsstrompreis durchschlägt, hängt von Netzentgelten, Abgaben und Marktmechanismen ab. Ihre aktuellen Stromkosten lassen sich mit unserem Stromkostenrechner jederzeit im Blick behalten.
2. Planungsgrundlage für Eigenverbrauch und Photovoltaik Günstigerer Importstrom könnte die Wirtschaftlichkeit von Eigenverbrauchslösungen beeinflussen. Wer eine Photovoltaikanlage plant oder bereits betreibt, sollte die Amortisation regelmäßig neu bewerten. Unser PV-Amortisationsrechner hilft dabei, die Zahlen aktuell zu halten. Für Balkonkraftwerk-Besitzer bietet der Balkonkraftwerk-Ertragsrechner eine schnelle Einschätzung.
3. Einspeisevergütung im Blick behalten Veränderte Marktpreise können sich mittelfristig auf die Einspeisevergütung für privaten Solarstrom auswirken. Mit dem Einspeisevergütungsrechner lässt sich prüfen, wie sich verschiedene Szenarien auf die eigene Anlage auswirken.
4. Wärmepumpe und Elektromobilität profitieren potenziell Günstigerer Strom würde besonders für stromintensive Anwendungen relevant, etwa für Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge. Ob sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe schon heute rechnet, zeigt der Gasheizung-vs-Wärmepumpe-Rechner. Die Ladekosten für ein E-Auto lassen sich mit dem Ladekosten-E-Auto-Rechner kalkulieren.
Quellen
- Strom aus der Sahara: Energie für Deutschland per Seekabel? – Neue Energie, 20.01.2026
- Energie aus der Sahara: Strömt der Wüstenstrom? – FAZ, 08.08.2026
- Solarerzeugung weltweit 2025 – Ember Yearly Electricity Data 2026, via Instagram/Doktor Whatson
Häufige Fragen
Was steckt hinter dem Projekt 'Sila Atlantik' und wie soll der Strom aus Marokko nach Deutschland gelangen?
Das Projekt ‘Sila Atlantik’ plant, fossilfrei erzeugten Strom aus der marokkanischen Sahara per Seekabel nach Deutschland zu transportieren. Dafür soll ein rund 4.800 Kilometer langes Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungskabel (HGÜ) entlang der Atlantikküste, vorbei an Portugal, Spanien und Frankreich, bis ins deutsche Wattenmeer verlegt werden. Es wäre damit das längste Seekabel der Welt. In Marokko sind dafür rund 15 Gigawatt installierte Leistung aus Solar- und Windanlagen im Süden des Landes geplant, kombiniert mit modernen Konverterstationen, die den Strom in Gleichspannung umwandeln.
Wie viel Strom könnte Deutschland durch dieses Kabel tatsächlich erhalten?
Laut Projektplanung könnten bis zu 26 Terawattstunden (TWh) grüner Strom pro Jahr nach Deutschland geliefert werden. Das entspräche rund fünf Prozent des deutschen Jahresstromverbrauchs. Der Strom soll dabei weniger als zehn Cent je Kilowattstunde kosten, inklusive Transportkosten, und rund um die Uhr zuverlässig zur Verfügung stehen.
Wann könnte der Wüstenstrom tatsächlich in deutschen Steckdosen ankommen?
Nach aktuellem Stand der Planungen wird damit gerechnet, dass der Strom Mitte des nächsten Jahrzehnts ins deutsche Netz eingespeist werden könnte. Das Projekt befindet sich noch in einer frühen Phase, beschäftigt jedoch bereits Regierungsvertreter beider Länder. Zudem haben mit Eon und Uniper zwei deutsche Energiekonzerne Interesse an dem Vorhaben angemeldet.
Ist das wirklich neu oder war das nicht schon einmal geplant?
Die Idee ist nicht grundlegend neu: Das frühere Desertec-Projekt verfolgte ein ähnliches Konzept, scheiterte jedoch unter anderem an technischen und wirtschaftlichen Hürden. ‘Sila Atlantik’ gilt als Neuauflage dieses Ansatzes, setzt aber auf modernere Technik und konkretere Umsetzungsschritte. Gleichzeitig boomt Solarenergie weltweit: Laut Ember Yearly Electricity Data 2026 hat die globale Solarerzeugung 2025 erstmals die Windkraft überholt und mit 2.778 TWh ein Niveau erreicht, das gut fünfmal dem gesamten deutschen Jahresstromverbrauch entspricht.
Welche Rolle spielt Marokko bei der globalen Energiewende?
Marokko gilt als aufstrebender Standort für erneuerbare Energien, hat jedoch derzeit noch erhebliches Ausbaupotenzial: Der Anteil erneuerbarer Energien am nationalen Strommix liegt bislang bei nur rund 3,5 Prozent. Gleichzeitig bietet das Land durch seine geografische Lage und die hohe Sonneneinstrahlung in der Sahara ideale Voraussetzungen für großflächige Solar- und Windprojekte, die langfristig auch Europa mit sauberem Strom versorgen könnten.
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