Die EU will laut Europäischem Green Deal bis 2050 klimaneutral werden und muss dazu ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 senken. Ein massiver Ausbau von Stromspeichern gilt als zentrale Voraussetzung, um schwankende erneuerbare Energien verlässlich ins Netz zu integrieren. Ohne ausreichende Speicherkapazitäten können Solar- und Windstrom nicht bedarfsgerecht eingesetzt werden. Das gefährdet die Versorgungssicherheit und bremst den Umbau des Energiesystems. Wer Strom produziert oder Energie-intensive Anlagen betreibt, sollte wissen: Engpässe bei Speichern können zu stärkeren Preisschwankungen an den Strommärkten führen, was sich direkt auf Strom- und Heizkosten auswirken kann.
Stromspeicher-Ausbau in Europa: Engpässe und Lösungsansätze
Der Ausbau erneuerbarer Energien in der EU schreitet voran, doch ohne ausreichende Speicherkapazitäten drohen Engpässe bei der Versorgungssicherheit. Der Europäische Green Deal sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu senken und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Dieser ambitionierte Kurs setzt voraus, dass Strom aus Wind und Sonne nicht nur erzeugt, sondern auch zuverlässig gespeichert und bedarfsgerecht abgerufen werden kann.
Die Lage: Erneuerbare wachsen, Speicher hinken hinterher
Laut EUROSOLAR zeigen die weltweiten, europäischen und nationalen Trends beim Ausbau erneuerbarer Energien in die richtige Richtung. Dennoch bleibt die Frage offen, wie weit der Weg bis zu einer vollständig auf erneuerbaren Quellen basierenden Versorgung noch ist. Ein zentrales Hindernis: Der Bedarf an Stromspeichern wächst schneller, als die Infrastruktur derzeit bereitgestellt werden kann.
Hinzu kommt, dass die EU weiterhin stark von Ölimporten abhängig ist. Nach Angaben von Destatis werden zwei Drittel des in der EU verbrauchten Öls im Verkehrssektor eingesetzt. Ein Umstieg auf Elektromobilität verschiebt diesen Verbrauch in den Stromsektor und erhöht damit den Bedarf an stabilen Netzen und Speicherlösungen zusätzlich.
Im Jahr 2024 stieg die Stromerzeugung aus Kernenergie in der EU um rund 4,8 Prozent gegenüber 2023, wie Destatis berichtet. Frankreich war dabei mit Abstand der größte Erzeuger. Deutschland ist im März 2023 aus der Kernenergie ausgestiegen und setzt vollständig auf erneuerbare Quellen, was die Bedeutung funktionierender Speichertechnologien für die deutsche Versorgungssicherheit weiter unterstreicht.
Vier praktische Implikationen für Verbraucher
1. Eigene Speicherlösungen können Stromkosten beeinflussen
Wer eine Photovoltaikanlage betreibt oder plant, kann durch einen Heimspeicher den selbst erzeugten Strom zeitversetzt nutzen. Das mindert die Abhängigkeit von Netzstrom zu Hochpreiszeiten. Mit dem PV-Speicher-Rechner lässt sich abschätzen, ob sich ein Batteriespeicher im eigenen Fall wirtschaftlich lohnt. Ergänzend hilft der Photovoltaik-Rechner bei der Planung der Anlage selbst.
2. Einspeisevergütung im Blick behalten
Wer überschüssigen Solarstrom ins Netz einspeist, erhält dafür eine gesetzlich geregelte Vergütung. Da sich die Rahmenbedingungen regelmäßig ändern, lohnt ein regelmäßiger Check. Der Einspeisevergütungs-Rechner gibt einen aktuellen Überblick über zu erwartende Erträge.
3. Balkonkraftwerke als niedrigschwellige Option
Nicht jeder Haushalt kann eine Dachanlage installieren. Balkonkraftwerke ermöglichen auch Mietern eine kleine Eigenstromerzeugung. Wie viel Ertrag dabei realistisch ist, zeigt der Balkonkraftwerk-Ertrag-Rechner.
4. Elektroauto als mobiler Puffer
Moderne Elektrofahrzeuge können künftig als bidirektionale Speicher dienen, also Strom nicht nur aufnehmen, sondern bei Bedarf auch zurück ins Hausnetz abgeben. Wer die laufenden Kosten eines E-Autos einschätzen möchte, findet beim E-Auto-Rechner und beim Ladekosten-Rechner für E-Autos nützliche Kalkulationshilfen.
Hintergrund: Warum Speicher so entscheidend sind
Wind und Sonne liefern Strom nicht gleichmäßig. Spitzen bei der Erzeugung treffen auf Zeiten niedriger Nachfrage und umgekehrt. Ohne ausreichende Speicher muss entweder überschüssiger Strom abgeregelt oder teure Regelenergie zugekauft werden. Die “Roadmap Speicher” der Stiftung Umweltenergierecht hat bereits 2014 auf diesen steigenden Speicherbedarf hingewiesen und verschiedene Technologiepfade analysiert. Der Handlungsbedarf ist seitdem nicht kleiner geworden.
Für Verbraucher bedeutet das: Wer heute in Speichertechnologie oder Eigenstromerzeugung investiert, positioniert sich unabhängiger von Preisschwankungen am Strommarkt. Wer seinen aktuellen Stromverbrauch besser verstehen möchte, kann dazu den Stromkostenrechner nutzen.
Quellen
- Umwelt, Energie in Europa – Destatis
- Statistik der Energiewende: Wo stehen wir? – EUROSOLAR Deutschland
- Roadmap Speicher: Speicherbedarf für erneuerbare Energien – Stiftung Umweltenergierecht (PDF)
Häufige Fragen
Warum braucht Europa überhaupt mehr Stromspeicher?
Erneuerbare Energien wie Wind und Sonne erzeugen Strom nicht gleichmäßig, sondern je nach Wetterlage. Ohne ausreichende Speicherkapazitäten kann überschüssiger Strom nicht für Flauten aufbewahrt werden. Der europaweite Ausbau erneuerbarer Energien schreitet nachweislich voran, weshalb der Bedarf an Speicherlösungen parallel dazu wächst. Ohne diesen Ausbau lässt sich eine stabile und verlässliche Stromversorgung auf Basis erneuerbarer Quellen nicht sicherstellen.
Wie weit ist Europa beim Ausbau erneuerbarer Energien und was bedeutet das für den Speicherbedarf?
Laut EUROSOLAR zeigen der weltweite, der europäische und der nationale Trend beim Ausbau erneuerbarer Energien alle in die richtige Richtung. Die EU hat sich zudem verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. Als ersten Schritt sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 sinken. Je schneller erneuerbare Quellen ausgebaut werden, desto dringlicher wird auch der parallele Aufbau geeigneter Speicherinfrastruktur, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.
Welche Rolle spielt Kernenergie derzeit noch in der europäischen Stromversorgung?
Kernenergie ist in der EU weiterhin ein relevanter Bestandteil des Strommixes. Im Jahr 2024 wurde in der EU rund 4,8 Prozent mehr Strom aus Kernenergie erzeugt als im Vorjahr. Frankreich ist dabei mit Abstand der größte Erzeuger. Deutschland hingegen ist im März 2023 vollständig aus der Kernenergieerzeugung ausgestiegen. Für Deutschland bedeutet das, dass der Ausgleich von Versorgungsschwankungen künftig stärker über Speicher und erneuerbare Energien erfolgen muss.
Ist die Energiewende in Europa gescheitert, wie manchmal behauptet wird?
Diese Behauptung lässt sich mit den verfügbaren Daten nicht belegen. EUROSOLAR stellt auf Basis statistischer Erhebungen fest, dass die These vom Scheitern der Energiewende jeder Evidenz entbehrt. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer und globaler Ebene zeigen die Zahlen einen anhaltenden Ausbau erneuerbarer Energien. Entscheidend ist dabei, statistische Daten vollständig und ohne selektive Auswahl zu betrachten, um ein realistisches Bild der Lage zu erhalten.
Welche konkreten Maßnahmen plant die EU, um ihre Klimaziele zu erreichen, und berühren diese auch den Stromspeicherbereich?
Die EU verfolgt im Rahmen des Europäischen Green Deal eine umfassende Neuausrichtung verschiedener Wirtschaftsbereiche. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden, bis 2050 soll die EU vollständig klimaneutral sein. Da zwei Drittel des Öls allein im Verkehrssektor verbraucht werden, ist dort besonderer Handlungsbedarf. Elektromobilität als ein Lösungsansatz erhöht jedoch wiederum den Strombedarf und macht leistungsfähige Speicherlösungen zu einem zentralen Baustein der europäischen Energiepolitik.