Kündigung nach zehn Jahren im Betrieb: Wann endet das Arbeitsverhältnis?
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Nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit muss der Arbeitgeber eine Kündigungsfrist von vier Monaten zum Ende eines Kalendermonats einhalten. Geht die Kündigung am 30. September 2026 zu, endet das Arbeitsverhältnis am 31. Januar 2027. Kommt sie einen Tag später, verschiebt sich das Ende auf den 28. Februar 2027.
Betriebszugehörigkeit
5 Jahre, 9 Monate, 4 Tage
69 Monate oder 2.103 Tage gesamt
Gesetzliche Kündigungsfrist
Arbeitgeber: 2 Monate zum Ende eines Kalendermonats
§ 622 Abs. 2 BGB, gestaffelt nach vollen Jahren der Betriebszugehörigkeit
Arbeitnehmer: 4 Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats (§ 622 Abs. 1 BGB)
Nächstes Jubiläum
6 Jahre
1. Januar 2027
10 Jahre
1. Januar 2031
noch offen
25 Jahre
1. Januar 2046
noch offen
40 Jahre
1. Januar 2061
noch offen
Arbeits- und Tarifverträge können längere Fristen vorsehen, für Arbeitnehmer aber keine längeren als für den Arbeitgeber (§ 622 Abs. 6 BGB). In der Probezeit gilt eine Frist von zwei Wochen. Keine Rechtsberatung.
Direkt zum Tool: Betriebszugehörigkeit öffnen
Formel
Bestimmen Sie die vollen Jahre der Betriebszugehörigkeit am Tag des Zugangs der Kündigung. Daraus ergibt sich die Frist des Arbeitgebers nach § 622 Abs. 2 BGB. Zählen Sie die Frist ab dem Tag nach dem Zugang und runden Sie auf das nächste Monatsende auf.
Ende = nächstes Monatsende nach (Zugang + Kündigungsfrist)
- Zugang
- Tag, an dem die Kündigung beim Empfänger eingeht
- Kündigungsfrist
- abhängig von den vollen Jahren im Betrieb, hier vier Monate
Rechenbeispiel: Eintritt am 1. April 2016, Zugang der Kündigung am 30. September 2026
- 1
Volle Jahre vom Eintritt bis zum Zugang zählen
= 10 Jahre
- 2
Weitere volle Monate und Resttage bestimmen
= 5 Monate und 29 Tage
- 3
Betriebszugehörigkeit insgesamt in Monaten und Tagen ausdrücken
= 125 Monate oder 3.834 Tage
- 4
Frist nach § 622 Abs. 2 BGB ablesen: ab zehn Jahren gilt die Stufe mit vier Monaten zum Monatsende
= vier Monate zum Ende eines Kalendermonats
- 5
Frist ab dem Folgetag des Zugangs zählen und auf das Monatsende legen: vier Monate ab 1. Oktober 2026 enden Ende Januar 2027
= Ende des Arbeitsverhältnisses am letzten Januartag
Mit 10 Jahren, 5 Monaten und 29 Tagen im Betrieb gilt für den Arbeitgeber eine Frist von vier Monaten zum Monatsende. Bei Zugang am 30. September 2026 endet das Arbeitsverhältnis am 31. Januar 2027.
Typische Fehler
errorEintrittsdatum statt Zugangsdatum als Stichtag genommen
Maßgeblich für die Stufe ist die Betriebszugehörigkeit am Tag, an dem die Kündigung zugeht. Wer das zehnte Jubiläum erst einen Tag nach dem Zugang erreicht, fällt noch in die niedrigere Stufe mit drei Monaten Frist.
errorFrist des Arbeitgebers auf die eigene Kündigung übertragen
Die verlängerten Fristen gelten nur für Kündigungen durch den Arbeitgeber. Beschäftigte kündigen gesetzlich weiterhin mit vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats, sofern Arbeits- oder Tarifvertrag nichts anderes regeln.
errorNur bis zum Monatsende gerechnet, nicht bis zum Fristende
Die Frist muss vollständig verstreichen, bevor das nächste Monatsende gilt. Ein Zugang am 1. Oktober lässt die vier Monate erst am 1. Februar enden. Das Arbeitsverhältnis endet dann nicht Ende Januar, sondern Ende Februar.
Vom Jubiläum zum Enddatum: die Frist in der Praxis
Die Betriebszugehörigkeit ist für Beschäftigte mehr als eine Zahl im Arbeitszeugnis. Sie legt fest, wie lange der Arbeitgeber bei einer ordentlichen Kündigung warten muss. Das Gesetz staffelt die Fristen nach vollen Jahren: ein Monat ab zwei Jahren, zwei Monate ab fünf, drei ab acht, vier ab zehn, fünf ab zwölf, sechs ab fünfzehn und sieben Monate ab zwanzig Jahren, jeweils zum Ende eines Kalendermonats. Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2010 zählen dabei auch Zeiten vor dem 25. Geburtstag.
Im Alltag reicht es nicht, die Stufe zu kennen. Entscheidend ist das konkrete Enddatum, denn bis dahin besteht Anspruch auf Gehalt, danach beginnen Fragen zu Arbeitslosengeld, Resturlaub und Zeugnis. Das Enddatum hängt vom Zugang der Kündigung ab. Zugegangen ist eine Kündigung, sobald sie so in Ihren Bereich gelangt, dass Sie unter gewöhnlichen Umständen davon Kenntnis nehmen können. Ein spät am Abend eingeworfener Brief gilt deshalb oft erst am nächsten Tag als zugegangen.
Warum der Zugang über einen Monat entscheidet
Das Beispiel zeigt, wie empfindlich die Rechnung auf das Zugangsdatum reagiert. Bei Zugang am 30. September endet die viermonatige Frist Ende Januar, das Arbeitsverhältnis also am 31. Januar 2027. Geht die Kündigung erst am 1. Oktober zu, reicht die Frist bis in den Februar hinein, und das Ende verschiebt sich auf den 28. Februar 2027. Ein Tag Unterschied beim Zugang bedeutet damit einen vollen Monat Beschäftigung und Gehalt mehr. Arbeitgeber stellen Kündigungen deshalb häufig gegen Empfangsbestätigung oder per Boten zu, damit das Datum feststeht. Für Beschäftigte lohnt es sich umgekehrt, den Tag des Erhalts sofort zu notieren und Umschlag sowie Begleitschreiben aufzubewahren. Tarifverträge und Arbeitsverträge können vom Gesetz abweichende Fristen vorsehen. Prüfen Sie deshalb immer auch Ihre eigenen Vertragsunterlagen, bevor Sie sich auf das berechnete Enddatum verlassen.
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Häufige Fragen: Betriebszugehörigkeit
Warum kann ein einziger Tag beim Zugang einen ganzen Monat ausmachen? expand_more
Zählt die Ausbildung im selben Betrieb zur Betriebszugehörigkeit? expand_more
Wann erreiche ich im Beispiel die nächste Fristenstufe? expand_more
Was sollte ich nach Erhalt einer Kündigung zuerst tun? expand_more
Verwandte Rechner
Verwandte Begriffe
Abfindung
Eine einmalige Geldzahlung, die Arbeitnehmer bei Kündigung, Aufhebungsvertrag, Sozialplan oder gerichtlichem Vergleich erhalten können.
Kündigungsfrist
Die Kündigungsfrist ist die Zeit zwischen dem Zugang einer Kündigung und dem Ende des Vertrags. Für Arbeitsverhältnisse regelt sie § 622 BGB.