Wie weit komme ich mit meinem E-Auto wirklich? Reichweite im Alltag planen
Stand: Rechenweg mit automatischen Tests geprüftMethodik
Ein E-Auto mit 60 kWh nutzbarem Akku und 16 kWh WLTP-Verbrauch schafft auf dem Papier 375 km, im Alltag auf der Landstraße rund 341 km. Wer zwischen 10 und 80 Prozent lädt, fährt je Ladehub etwa 239 km. Im Winter auf der Autobahn bei 130 km/h schrumpft die Reichweite auf rund 214 km.
Reale Reichweite
341 km
WLTP-Reichweite
375 km
Reichweite je Ladehub (70 %)
239 km
Kosten je 100 km
6,16 €
Zuschläge sind Faustwerte aus ADAC-Messungen und addieren sich auf den WLTP-Verbrauch. Kosten ohne Ladeverluste; diese berechnet der Ladezeit-Rechner.
Direkt zum Tool: E-Auto-Reichweitenrechner öffnen
Formel
Der reale Verbrauch ist der WLTP-Verbrauch plus prozentuale Aufschläge für Praxis, Jahreszeit, Strecke, Fahrstil und Anbauten. Die Reichweite ist die nutzbare Akkukapazität geteilt durch diesen Verbrauch mal 100. Für die Reichweite je Ladehub setzen Sie nur den genutzten Teil des Akkus ein, etwa 70 Prozent zwischen 10 und 80 Prozent Ladestand.
Reichweite = Akku_netto / (WLTP · (1 + Aufschläge)) · 100
- Akku_netto
- nutzbare Akkukapazität in kWh
- WLTP
- Normverbrauch in kWh je 100 km
- Aufschläge
- Summe der Zuschläge für Praxis, Jahreszeit, Strecke, Fahrstil und Anbauten
Rechenbeispiel: 60 kWh Akku, 16 kWh WLTP, Übergangszeit auf der Landstraße
- 1
WLTP-Reichweite: 60 kWh geteilt durch 16 kWh je 100 km
= 375 km
- 2
Praxisaufschlag von 10 Prozent auf den Verbrauch
= 17,6 kWh auf hundert Kilometer
- 3
Reale Reichweite mit vollem Akku: 60 kWh geteilt durch 17,6 kWh
= 341 km, 9 Prozent weniger als WLTP
- 4
Ladehub von 10 auf 80 Prozent
= 42 kWh, reicht für 239 km
- 5
Kosten bei 35 ct/kWh
= 6,16 EUR auf hundert Kilometer, 14,70 EUR je Ladehub
Im Alltag fährt das Auto rund 341 km mit einer Akkuladung und etwa 239 km zwischen zwei Ladestopps. Im Winter bei 130 km/h steigt der Verbrauch auf 28 kWh, dann bleiben 214 km und je Ladehub nur noch 150 km.
Typische Fehler
errorMit der Bruttokapazität gerechnet
Hersteller nennen oft die Bruttokapazität des Akkus, von der ein Puffer nicht nutzbar ist. Rechnen Sie immer mit der Nettokapazität aus dem Datenblatt, sonst überschätzen Sie die Reichweite um mehrere Prozent.
errorMit 100 Prozent Akku geplant
Auf Reisen laden Sie am Schnelllader meist nur bis 80 Prozent und kommen mit einer Reserve am nächsten Ladepunkt an. Planen Sie Etappen deshalb mit dem Ladehub und nicht mit der vollen Reichweite.
Reichweite ist eine Frage der Situation
Die WLTP-Reichweite ist ein Laborwert, gemessen bei 23 Grad, mit gemischtem Profil und ohne Klimatisierung. Für den Alltag hilft sie als Vergleichswert zwischen Modellen, nicht als Planungsgröße. Entscheidend ist, wie Sie fahren und unter welchen Bedingungen.
Im Stadtverkehr schneidet das E-Auto sogar besser ab als im Normzyklus. Durch häufiges Bremsen gewinnt es über die Rekuperation Energie zurück, und die niedrigen Geschwindigkeiten kosten wenig Luftwiderstand. Auf der Autobahn kehrt sich das um. Ab 120 km/h wächst der Verbrauch deutlich, bei 150 km/h liegt er um 60 Prozent über dem WLTP-Wert. Wer die Geschwindigkeit um 20 km/h senkt, gewinnt oft mehr Reichweite als durch jede andere Maßnahme.
Warum der Ladehub die bessere Planungsgröße ist
Im Alltag laden die meisten Fahrerinnen und Fahrer zu Hause und nutzen nur einen Teil des Akkus. Auf der Reise zählt der Abschnitt zwischen 10 und 80 Prozent, weil der Schnelllader oberhalb von 80 Prozent deutlich langsamer wird. Die Reichweite je Ladehub gibt deshalb die realistische Etappenlänge an.
Im Beispiel sind das 239 km in der Übergangszeit und 150 km im Winter auf der Autobahn. Planen Sie Ihre Ladestopps an diesen Werten, dann bleibt am Ziel stets eine Reserve für Umwege, Staus oder einen belegten Ladepunkt.
Auch die Kosten je 100 km hängen stark vom Ladeort ab. Mit Haushaltsstrom zu 35 Cent kostet das Beispielauto 6,16 Euro je 100 km. An öffentlichen Schnellladern liegen die Preise meist deutlich höher, sodass eine lange Reise spürbar teurer wird als die tägliche Pendelstrecke mit Strom aus der eigenen Wallbox.
Anbauten wirken ähnlich stark wie Tempo. Eine Dachbox erhöht den Verbrauch um etwa 20 Prozent, ein Fahrradträger mit Rädern um 15 Prozent, ein Anhänger um rund 60 Prozent. Für die Urlaubsfahrt mit voll beladenem Auto lohnt es sich deshalb, die Etappen neu zu rechnen, statt sich auf die gewohnten Werte vom Arbeitsweg zu verlassen.