Wie lang muss mein Heizkörper sein? Leistung und Länge richtig wählen
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Ein Raum mit 20 m² und 80 W/m² braucht 1.600 W Heizleistung. Ein Flachheizkörper Typ 22 mit 600 mm Bauhöhe liefert bei 75/65 °C rund 1.800 W je Meter, also genügt eine Länge von 900 mm. Bei niedrigerem Vorlauf sinkt die Leistung je Meter deutlich, und der Heizkörper muss entsprechend länger werden.
Raum-Heizlast
Faustwerte: Neubau 30 bis 50, Bestand 60 bis 100, unsanierter Altbau 120 bis 170 W/m².
Nötige Länge
889 mm
Standardlänge
900 mm
Leistung je Meter
1.800 W
Heizlast Raum
1.600 W
Umrechnung nach DIN EN 442 mit Heizkörperexponent 1,3: Übertemperatur ΔT_log 49,8 K gegenüber 49,8 K im Normzustand 75/65/20 (Faktor ×1). Leistungen je Meter sind Katalog-Faustwerte, maßgeblich ist das Datenblatt des Herstellers.
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Formel
Die benötigte Leistung ist Raumfläche mal Watt je Quadratmeter. Die Normleistung des Heizkörpers gilt für 75/65 °C. Für andere Temperaturen wird sie mit dem Verhältnis der logarithmischen Übertemperatur zur Normübertemperatur von 49,83 K hoch 1,3 umgerechnet. Die nötige Länge ist die Leistung geteilt durch die Watt je Meter bei Ihren Temperaturen.
P = P_norm · (ΔT_log / 49,83)^1,3
- P_norm
- Normwärmeleistung bei 75/65/20 °C in Watt
- ΔT_log
- logarithmische Übertemperatur aus Vorlauf, Rücklauf und Raumtemperatur in Kelvin
- 1,3
- Heizkörperexponent für Plattenheizkörper
Rechenbeispiel: Wohnraum mit 20 m² und Typ 22 in 600 mm Bauhöhe
- 1
Raum-Heizlast: 20 m² × 80 W/m²
= 1.600 W
- 2
Übertemperatur bei 75/65 °C und 20 °C Raumtemperatur
= 49,83 K, also Faktor 1
- 3
Leistung je Meter des Typ 22 bei 600 mm Bauhöhe
= 1.800 W je Meter
- 4
Nötige Länge: 1.600 W geteilt durch 1.800 W je Meter
= 889 mm
- 5
Auf die nächste Standardlänge aufrunden
= 900 mm mit 1.620 W Leistung
Für den Raum reicht ein Typ 22 mit 600 mm Höhe und 900 mm Länge. Soll später eine Wärmepumpe mit 55/45 °C laufen, liefert derselbe Typ nur noch 919 W je Meter. Dann wären rund 1.800 mm Länge nötig.
Typische Fehler
errorDen alten Heizkörper einfach gleich groß ersetzen
Alte Heizkörper wurden oft großzügig oder für eine inzwischen verbesserte Dämmung ausgelegt. Rechnen Sie die tatsächliche Raum-Heizlast neu, statt die Maße des Vorgängers zu übernehmen. So vermeiden Sie zu große und zu kleine Heizflächen.
errorNormleistung mit realer Leistung verwechselt
Katalogwerte gelten für 75/65 °C. Moderne Brennwertkessel und Wärmepumpen arbeiten mit deutlich niedrigerem Vorlauf. Rechnen Sie die Katalogleistung immer auf Ihre Systemtemperaturen um, bevor Sie ein Modell bestellen.
errorEinbausituation nicht berücksichtigt
Tiefe Fensterbänke, Verkleidungen, lange Vorhänge oder ein Sofa direkt vor dem Heizkörper behindern die Luftzirkulation. Die Wärmeabgabe sinkt dann spürbar unter den Rechenwert. Planen Sie freie Luftwege über und vor dem Heizkörper ein.
Raum für Raum statt über das ganze Haus
Die Heizlast eines Hauses sagt noch nichts darüber, welcher Heizkörper in welchen Raum gehört. Ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden und großen Fenstern verliert je Quadratmeter mehr Wärme als ein innenliegender Flur. Deshalb lohnt es sich, jeden Raum einzeln zu betrachten. Der Faustwert von 80 W/m² ist ein guter Startpunkt für den Bestand, für Bäder mit höherer Solltemperatur und für Räume unter dem ungedämmten Dach sollten Sie großzügiger rechnen.
Die Tabelle der Temperatursysteme zeigt, warum dieser Schritt bei der Heizungsmodernisierung so wichtig ist. Bei 75/65 °C reichen im Beispiel 900 mm, bei 70/55 °C bereits 1.200 mm und bei 55/45 °C rund 1.800 mm. Jede Stufe weniger Vorlauf verlangt mehr Heizfläche, belohnt Sie aber mit besserer Effizienz des Wärmeerzeugers.
Wenn der Platz an der Wand nicht reicht
Nicht jede Wand bietet Raum für einen doppelt so langen Heizkörper. Dann bleiben mehrere Wege. Ein Typ 33 mit drei Platten liefert rund 2.600 W je Meter und damit deutlich mehr als ein Typ 22 gleicher Länge. Alternativ lässt sich eine größere Bauhöhe wählen, wenn unter dem Fenster Platz ist. Eine dritte Option sind Wärmepumpen-Heizkörper mit eingebauten Lüftern, die bei niedrigen Vorlauftemperaturen mehr Leistung aus kleiner Fläche holen.
Vor jedem Tausch lohnt sich der hydraulische Abgleich. Er sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau den Wasserdurchfluss bekommt, den er braucht. Häufig stellt sich danach heraus, dass die vorhandenen Heizflächen besser arbeiten als gedacht und nur wenige Räume nachgerüstet werden müssen.
Denken Sie beim Austausch auch an die Anschlüsse. Ein Heizkörper mit Mittelanschluss lässt sich leichter gegen ein längeres Modell tauschen, weil die Rohre an derselben Stelle bleiben können. Bei Seitenanschluss müssen die Leitungen oft verlängert werden, was Aufwand und Kosten erhöht. Klären Sie diese Frage vor der Bestellung, damit der neue Heizkörper ohne größere Umbauten an seinen Platz passt und die geplante Leistung auch tatsächlich abgibt.