Neuwagen oder Jahreswagen? Wie der Wertverlust die Kaufentscheidung prägt
Stand: Rechenweg mit automatischen Tests geprüftMethodik
Ein Kompaktwagen für 35.000 Euro ist nach drei Jahren und 45.000 km nur noch rund 19.200 Euro wert. Das sind 15.782 Euro Wertverlust oder 438 Euro im Monat. Allein das erste Jahr kostet 8.400 Euro. Wer einen Jahreswagen kauft, lässt genau diesen teuersten Abschnitt den Erstbesitzer bezahlen.
Restwert
19.218 €
54,9 % vom Neupreis
Wertverlust gesamt
15.782 €
45,1 %
Wertverlust je Monat
438 €
Wertverlust je km
0,35 €
Degressives Modell mit Faustwerten aus ADAC- und DAT-Auswertungen: 24 % im ersten Jahr, danach 15 % je Jahr vom Restwert, ab dem sechsten Jahr 10 %, Kilometerkorrektur gegenüber 15.000 km je Jahr. Modell, Ausstattung, Zustand und Marktlage können den tatsächlichen Wert deutlich verschieben. Laufende Kosten: Auto-Unterhaltskosten-Rechner.
Direkt zum Tool: Wertverlust-Auto-Rechner öffnen
Formel
Im ersten Jahr verliert das Auto einen festen Prozentsatz je nach Klasse und Antrieb. In den Jahren zwei bis fünf verliert es jeweils 15 Prozent des Restwerts vom Vorjahr, ab dem sechsten Jahr jeweils 10 Prozent. Weicht die Fahrleistung von 15.000 km pro Jahr ab, wird der Restwert um 0,4 Prozent je 1.000 km und Jahr korrigiert.
Restwert = Neupreis · (1 − v1) · 0,85^(min(n,5) − 1) · 0,90^(max(0, n − 5))
- v1
- Wertverlust im ersten Jahr, bei Kompaktklasse und Benziner 24 Prozent
- n
- Alter des Fahrzeugs in Jahren
Rechenbeispiel: Kompaktwagen mit Benzinmotor, 35.000 Euro, drei Jahre, 15.000 km pro Jahr
- 1
Wertverlust im ersten Jahr für Kompaktklasse und Benziner
= 24 Prozent
- 2
Jahre zwei und drei mit je 15 Prozent des Vorjahreswerts, Fahrleistung im Durchschnitt ohne Korrektur
= Restwert 19.218 EUR, das sind 54,91 Prozent
- 3
Wertverlust gesamt
= 15.782 EUR oder 45,09 Prozent
- 4
Auf die Haltedauer verteilen
= 5.261 EUR pro Jahr, 438 EUR pro Monat
- 5
Auf die gefahrenen 45.000 km verteilen
= 0,35 EUR je Kilometer
Der Wertverlust ist bei diesem Auto der größte Kostenblock, noch vor Kraftstoff und Versicherung. Das erste Jahr allein kostet 8.400 Euro, die Jahre zwei und drei zusammen 7.382 Euro.
Typische Fehler
errorNur auf die Rate oder den Kaufpreis geschaut
Der Wertverlust taucht auf keiner Rechnung auf, ist aber real. Rechnen Sie ihn bei jedem Autokauf als monatliche Kosten mit ein, dann lassen sich Kauf, Finanzierung und Leasing fair miteinander vergleichen.
errorRabatt beim Neuwagenkauf nicht berücksichtigt
Wer beim Neuwagen 15 Prozent Rabatt erhält, verliert gemessen am tatsächlich gezahlten Preis weniger. Setzen Sie im Rechner den bezahlten Preis statt der Liste ein, wenn Sie Ihren persönlichen Wertverlust ermitteln wollen.
Warum das erste Jahr so teuer ist
Ein Neuwagen verliert seinen größten Wertanteil in dem Moment, in dem er zugelassen wird. Aus dem Neuwagen wird ein Gebrauchtwagen, und dieser Status allein kostet einen erheblichen Teil des Preises. Im Beispiel sind es 8.400 Euro im ersten Jahr, mehr als in den beiden folgenden Jahren zusammen.
Für die Kaufentscheidung heißt das: Wer ein Auto lange fährt, verteilt diesen Einstiegsverlust auf viele Jahre, und er fällt weniger ins Gewicht. Wer dagegen alle zwei bis drei Jahre wechselt, zahlt ihn immer wieder. In diesem Fall ist ein Jahreswagen oder ein Leasing oft günstiger als der Neuwagenkauf.
Die Haltedauer als stille Stellschraube
Die Kosten je Monat sinken mit jedem Jahr, das Sie ein Auto länger fahren. Nach drei Jahren kostet der Wertverlust im Beispiel 438 Euro im Monat. Nach fünf Jahren sind es bereits deutlich weniger, weil die späten Jahre nur noch wenig Wert kosten. Nach zehn Jahren bleibt ein Restwert von rund einem Viertel des Neupreises.
Dem stehen steigende Kosten für Wartung und Reparaturen gegenüber. Ab einem gewissen Alter kann eine größere Reparatur den Restwert übersteigen. Die günstigste Haltedauer liegt deshalb dort, wo die Summe aus Wertverlust und Werkstattkosten je Monat am niedrigsten ist. Für viele Fahrzeuge liegt dieser Punkt zwischen dem sechsten und dem zehnten Jahr.
Auch die Fahrleistung verschiebt die Rechnung. Wer deutlich mehr als 15.000 km im Jahr fährt, verliert zusätzlich an Wert, weil Käufer hohe Laufleistungen scheuen. Wer wenig fährt, bekommt beim Verkauf einen kleinen Aufschlag. Der Rechner korrigiert beides automatisch.
Beim Verkauf selbst lohnt sich Vorbereitung. Ein lückenloses Scheckheft, eine gründliche Innenreinigung und kleine Reparaturen vorab erhöhen den erzielbaren Preis oft stärker, als sie kosten. Vergleichen Sie außerdem mehrere Angebote von Händlern und Privatkäufern, bevor Sie sich festlegen.